Artist Interview: Osheen Siva
supersicko: Warum machst du, was du machst?
Osheen: Im Zentrum meiner künstlerischen Arbeit steht der Wunsch, sich eine gerechtere Zukunft vorzustellen – eine Zukunft, die die unterdrückenden Strukturen überwindet, die Indien derzeit prägen. In meiner Arbeit versuche ich, Figuren, Wesen, Umgebungen und ganze Universen zu erschaffen, die die Erfahrungen und Perspektiven von Gemeinschaften widerspiegeln und verstärken, die häufig unterrepräsentiert oder marginalisiert sind. Mit Erzählungen über Liebe, Intimität, Zusammenhalt und Widerstandskraft möchte ich die Betrachter*innen inspirieren und ermutigen, sich eine inklusivere und mitfühlendere Zukunft vorzustellen.
Welche Rolle haben Künstler*innen in der Gesellschaft?
Kunst erfüllt eine wichtige gesellschaftliche Funktion, indem sie eine emotionale Verbindung zu einem Konzept oder einer Idee herstellt. Durch visuelle, akustische und sinnliche Ausdrucksformen halten Künstler*innen den kulturellen Zeitgeist fest und bewahren so Geschichte und Kultur für zukünftige Generationen. Für mich persönlich ist Kunst außerdem ein kraftvolles Mittel, um meine eigenen Gefühle zu erforschen und mich auszudrücken. Dadurch kann ich tiefere Verbindungen zu Menschen aufbauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

Welche Künstler*innen – aus der Vergangenheit oder Gegenwart – bewunderst du am meisten?
Ich bewundere besonders Künstlerinnen, die ihre ganz eigene Perspektive auf ihre Herkunft und Kultur auf bedeutungsvolle Weise in eine zeitgenössische künstlerische Praxis einbringen. Zu meinen aktuellen Favoritinnen gehören Lauren Y S, Chitra Ganesh, Subash Thebe Limbu, Rajshree Goody und viele mehr.
Was ist deine Vorstellung von vollkommenem Glück?
Zu meiner Vorstellung von vollkommenem Glück gehören auf jeden Fall die Freiheit, leicht leben und mich ausdrücken zu können, sowie ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit.
Mit welcher lebenden oder verstorbenen Person würdest du gerne einen Tag verbringen?
Es gibt viel zu viele zur Auswahl, aber ganz oben auf meiner Liste stehen wahrscheinlich Jodorowsky, Bowie und Terry Gilliam.
Wo findest du Inspiration?
Überall dort, wo mein Kopf zur Ruhe kommen, staunen und umherschweifen kann.

Welches Buch bedeutet dir so viel, dass wir es unbedingt auch lesen sollten?
„Parable of the Sower“ von Octavia E. Butler.
Womit kämpfst du beim Kunstmachen am meisten?
Mit Minderwertigkeitsgefühlen.
Welche Themen oder Symbole sind für dich als Künstler*in besonders wichtig?
Das reicht von Science-Fiction-Filmen und Comics bis hin zu südindischer Architektur, Handwerk, Textilien und Mythologien.
Was liebst du an deiner Kunst am meisten?
Ich empfinde es als unglaublich bereichernd, diesen tiefen Teil meiner Welt und meiner Realität mit anderen zu teilen und die Kunst als Möglichkeit zu nutzen, Beziehungen aufzubauen und tiefere Verbindungen zu anderen Menschen herzustellen.
Was ist dein bisher größter künstlerischer Erfolg?
Ich liebe die Tatsache, dass ich Kunst zu meinem Beruf machen und davon leben kann.
Hast du noch unfertige oder bisher nicht realisierte Projekte?
Im kommenden Jahr steht eine Einzelausstellung in Nottingham an, auf die ich gerade hinarbeite und auf die ich mich sehr freue.
Fotos: Ragini Menon